Neue Ansätze in der Homöopathie

Die Homöopathie existiert nun seit über 200 Jahren und hat sich, trotz Turbulenzen, Kontroversen und Verunglimpfungen, über diesen langen Zeitraum erfolgreich gehalten.

Viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen mit ganz unterschiedlichen beruflichen Werdegängen haben sich intensiv mit Homöopathie befasst und dementsprechend viele verschiedene Therapieansätze und Vorgehensweisen in diese Behandlungsform eingefügt.

Die Homöopathie wird auf diese Weise laufend mit neuen Möglichkeiten erweitert, deren Tauglichkeit in der Praxis geprüft und deren Umsetzung in der praktischen Bewährungsprobe ausgelotet wird.

So können heute, je nach Art der Erkrankung, unterschiedliche Vorgehensweisen ausgewählt werden und die am besten geeigneten Therapieansätze den Kranken und den Erkrankungen angepasst werden.

Für eine akute Erkrankung reichen oft zwei bis drei typische, charakteristische Symptome aus um das passendste homöopathische Arzneimittel für diesen Zustand zu finden.

Dies kann auch mal für die Wahl von sogenannten organspezifischen homöopathischen Mitteln zutreffen, welche sich zur spezifischen Lösung eines organischen Problems eignen. Allerdings besteht hier die Gefahr, dass eine tiefgehende Heilung verhindert wird, durch die Unterlassung einer kompletten Aufnahme aller Krankheitssymptome eines Menschen.

Der Versuch lediglich eine Diagnose, statt eines Kranken zu behandeln ist nicht wirklich ein klassischer homöopathischer Ansatz und entspringt eher einer eingeschränkten, organspezifischen Sichtweise.

Bei langanhaltenden chronischen Beschwerden und bei chronischen Erkrankungen ist es üblich eine komplette Aufnahme aller Beschwerden und Symptome vorzunehmen, welche der Kranke bei sich auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene beobachtet.

Eine Anamnese nur auf Gemütssymptome oder Emotionen zu reduzieren ist eine unzulässige Vereinfachung der homöopathischen Krankenaufnahme, die einem umfassenden homöopathischen Ansatz nicht gerecht wird, so wie Hahnemann dies fordert.

Dennoch steht heute häufig die Behauptung im Raum, dass vorwiegend die Gemütssymptome die zentrale Essenz eines Krankenfalles seien und man sich aus diesem Grund alleine auf diese zu beschränken habe, respektive man sich zwingend auf diese abzustützen habe um das passendste Arzneimittel zu finden. Allerdings sind solche spekulativen Thesen zur Gewichtung der Symptomatik und zur Arzneimittelwahl unvollständig, sie berücksichtigen nicht die Totalität eines Krankenfalles und es ist auch Hahnemann der explizit darauf besteht, dass man keine Hypothesen zur Fallaufnahme anstellen soll, sondern sich vollkommen auf die exakte Beobachtung der ganzen Symptomatik eines Falles abzustützen habe ohne diesem etwas hinzuzufügen oder hinweg zu nehmen.

Menschen, die zum Beispiel den homöopathischen Einzelmitteln der Lanthaniden (Gruppenbezeichnung ähnlicher Elemente im Periodensystem) zugerechnet werden, hätten alle ein Problem mit dem Selbst und der Autonomie als gemeinsames Gruppenthema der Lanthanide. Diese Hypothese besagt nun also, wer ein Lanthan, das heisst eines der folgenden 14 Elemente im Periodensystem (Ce, Pr, Nd, Pm, Sm, Eu, Gd, Tb, Dy, Ho, Er, Tm, Yb, Lu) als Arzneimittel benötigt, wolle unbedingt sein eigener Herr sein, hätte es mit der Freiheit und Unabhängigkeit, besässe einen starken Willen, eine grosse Kreativität, wäre eine sensible, strahlende Persönlichkeit mit einer Empfänglichkeit für Elektromagnetismus und würde die Emotionen anderer Menschen fühlen.

Eine solche Arzneimittelbeschreibung mag zwar durchaus ihre Bewandtnis haben, reicht aber für eine Arzneimittelwahl niemals aus!

In der Homöopathie verwendet der Behandler seine selbst observierten Symptome und jene Beschwerden, die der Kranke an sich selbst beobachten und beschreiben kann.

Es geht nicht darum irgendwelche Hypothesen über das Wesen, die Eigenschaften einer Person anzustellen und darauf basierend ein Arzneimittel zu verordnen.

Bei so einem Behandlungsansatz ist die Fehlerquote viel zu hoch, da manche Aussagen des Patienten nach den Vorstellungen des Homöopathen interpretiert werden, jedoch mit grösster Wahrscheinlichkeit mit der Realität des Kranken wenig oder nichts zu tun haben. Eine solche Voreingenommenheit bei der Erfassung der Krankengeschichte trägt der spezifischen, individuellen Eigenart des Patienten nicht genügend Rechnung!

Homöopathische Mittel werden an gesunden Probanden auf allen drei Ebenen geprüft und umfassen körperliche, emotionale und mentale Symptomatik.

Dies wird in einem Prüfungsprotokoll festgehalten und in einem homöopathischen Repertorium eingetragen.

Die vollständige Symptomatik des Kranken wird mit den Prüfungssymptomen im Repertorium verglichen um das passendste homöopathische Mittel zu finden.

Nur unter diesen Kriterien ist eine Arzneimittelwahl vollständig und nur dieses Vorgehen führt zu einer korrekten Verordnung eines homöopathischen Arzneimittels.

Redaktion Gabriela Moser

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.